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Friday, December 28, 2012

In Afrika gibt es hot money

Feiert ihr zu Hause Weihnachten, Eray und Kimberly?
Eray: Ich nicht. Ich bin Muslim, also ich habe damit nix zu tun.
Kimberly: Dafür haben die dann Bayram.
Was passiert an Bayram?
Eray: Die Kinder kriegen Geld und Spielzeuge.
Kriegst du auch Geld an Weihnachten, Kimberly?
Kimberly: Nein, ich kriege Geschenke.
Was ist denn ein „Geschenk“?
Kimberly: Das ist eine Sache, die sehen die Kinder nicht. Die Eltern packen es dann ein. Und wenn Heiligabend ist, geben sie es den Kindern, und die freuen sich.
Würdest du sagen, Geld ist auch ein Geschenk?
Kimberly: Ja, denn davon könnte man sich ja Geschenke kaufen.
Habt ihr Geld?
Kimberly: Ich kriege jede Woche fünf Euro - wenn ich meine Mutter frage oder wenn ich mein Zimmer ganz viel aufräume.
Eray: Ich bekomme jeden Zehnten zehn Euro aufs Konto.
Aufs Konto, ich werd’ verrückt! Hast du auch eine Karte dafür?
Eray: Nein. Ich hab’s auch noch nie gesehen. Mein Vater hat’s mir nur gesagt.
Du kriegst also ein Taschengeld, das du eigentlich gar nicht ausgeben kannst.
Eray: Ich kauf’ mir nach der Schule ja auch irgendwie nie was.
Kaufst du dir was, Kimberly?
Kimberly: Ja, Klamotten ganz viele. Der ganze Bettkasten von meiner Mutter ist voll, dann habe ich noch einen kleinen Sommerschrank und noch einen großen. Meine Mutter sagt immer: Kauf dir doch mal was Anständiges, was zum Spielen.
Woher kommt eigentlich das Geld?
Eray: Aus Fabriken.
Kimberly: Ich denke, vom Arbeitsamt oder so. Das wird von der Bank da hingeschickt. Weil die Bank ja ganz viel Geld hat. Oder manchmal bleibt es auch bei der Bank, dann holen es die Leute von da ab und kaufen den Kindern zum Beispiel Geschenke.
Wie wird denn das Geld in der Fabrik gemacht, Eray?
Eray: Da nehmen die so ein Papier, drucken was drauf und machen diese 3D-Dinger drauf, damit man auch weiß, dass das Geld echt ist. Und dann schicken die das Geld zur Bank.
Was ist eine Bank?
Eray: Die Bank holt sich die Steuern von den Menschen ab.
Oha. Und was sind Steuern?
Eray: Keine Ahnung. Aber ich weiß, dass Steuern was mit Geld zu tun haben.
Kimberly: Ich habe das Wort noch nie gehört.
Zahlt ihr auch Steuern?
Eray: Nein.
Wer zahlt denn dann Steuern?
Beide: Die Eltern. Weil die mehr Geld als wir haben.
Gab es eigentlich schon immer Geld?
Eray: Nein, früher hat man mit Tieren bezahlt. So: Ich gebe dir fünf Hasen für ein Pferd.
Kimberly: Oder ich gebe dir einen Hund, und dafür gibst du mir, zum Beispiel, einen Vogel.
Die haben also getauscht. Warum haben die das gemacht?
Eray: Weil die früher noch nicht so fortschrittlich waren und noch nicht an Geld gedacht haben.
Woher haben die überhaupt die Tiere gehabt? Haben die die gekauft?
Eray: Die haben die gefunden.
Kimberly: Dann haben sie die mitgenommen und dann vielleicht zu Hause gesagt: Also, ich gebe dir jetzt das Handy, und dafür gibst du mir den Käfig für den Vogel oder so was.
Eray: Die hatten doch noch gar keine Handys!
Kimberly: Dann eben diese alten Telefone.
Eray: Da gab es auch schon Geld.
Wie lange ist es her, dass es kein Geld gab?
Kimberly: Das ist 460 Jahre her.
Wie haben die Menschen da gelebt?
Kimberly: Die haben gezeltet.
Eray: Und die haben an Bäume gekickt, damit die Früchte runterfallen. Und aus dem Holz haben die sich dann ein Häuschen gemacht.
Und dann konnten sie ja das Häuschen auch wieder gegen etwas anderes tauschen.
Eray: Ich würde das nicht machen: eine Wohnung gegen Tiere. Was hat das für einen Zweck?
Gibt es in jedem Land Geld?
Kimberly: Nein
Eray: Ja.
Kimberly: Aber in anderen Ländern gibt es noch so andere, ich weiß nicht, wie die heißen, aber das sind so andere Münzen.
Eray: Es geht um Geld, nicht um Währungen, Kimy.
Was ist denn eine Währung, Eray?
Eray: Wie der Euro. Wie die Pfunds in England.
Habt ihr schon mal das Wort „Euro-Krise“ gehört?
Eray: Ja.
Kimberly: Nein.
Was ist eine „Krise“?
Eray: Also wenn einer etwas nicht machen kann, aber es ist eine ganz leichte Aufgabe, ich glaube, das ist so eine Krise.
Was bedeutet dann „Euro-Krise“?
Kimberly: Dass man irgendwie etwas nicht mehr mit dem Euro machen kann, obwohl es leicht ist. Zum Beispiel rechnen.
Eray: Oder dass man nicht mehr bezahlen kann. Heutzutage finde ich in den Nachrichten nur noch eine Euro-Krise.
Was denkst du, wenn du das Wort in den Nachrichten hörst?
Eray: Ich denke immer: Was ist das für ein Mist. Weil die das einfach nicht klären können, die Politiker.
Was meint Ihr, warum können die das nicht klären?
Kimberly: Vielleicht ist das denen einfach zu schwer.
Eray: Zu viele Meinungen.
Kann das nicht einfach einer mal bestimmen?
Eray: Nein, weil die anderen Politiker wollen ja auch noch etwas sagen. Zum Beispiel Joachim Gauck. Oder manchmal die Türken. Aus allen Ländern eigentlich.
Was kann man machen, damit man trotz der vielen verschiedenen Meinungen die Krise löst?
Eray: Man muss weiter vorausdenken. Zum Beispiel vorher denken: Was könnte passieren, wenn diese Meinung passiert, und was könnte passieren, wenn die andere Meinung passiert.
Wie findet ihr Geld insgesamt so?
Kimberly: Gut.
Eray: (hält den Daumen nach oben und grinst)
Warum?
Kimberly: Weil man damit Essen und Trinken kaufen kann. Sonst würde man ja verhungern und verdursten.
Eray: Weil ich mit Geld wieder in die Türkei fliegen und meinen Opa und meine Oma sehen kann.
Für alles braucht man Geld. Warum sind die Dinge eigentlich nicht umsonst?
Kimberly: Sonst würden die Leute einfach alles einpacken und wegrennen.
Eray: Dann könnte jeder was klauen.
Wenn es umsonst wäre, wäre das ja dann nicht schlimm, oder?
Eray: Aber es würde dann gar keinen Sinn mehr ergeben, wenn alles umsonst wäre. Dann wäre alles ziemlich schnell leer. An einem Tag ist dann alles weg auf dem Markt. Und die Fabrik muss dann jede Sekunde wieder neu zum Markt fahren.
Findet ihr, dass Ihr viel Geld oder dass ihr wenig Geld habt?
Kimberly: Mittel.
Eray: Irgendwie nicht so viel. Weil es gibt ja noch viel mehr Geld als die hundert Euro, die ich auf dem Konto und in meiner Spardose habe.
Wie viel Geld müsstet Ihr haben, dass ihr sagen könntet: „Jetzt habe ich richtig viel Geld“?
Eray: 500 Euro.
Kimberly: 550 Euro.
Okay, stellt euch mal vor, ihr lauft zur Schule, und plötzlich seht ihr vor euch was auf der Straße flattern. Ihr rennt hin: Es ist ein 500-Euro-Schein. Was macht ihr damit?
Kimberly: Ich würde gucken, ob das echt wäre. Danach hätte ich das genommen, und dann hätte ich gesagt: Mama, ich habe 500 Euro gefunden, ich mach das in meine Sparbox.
Würdest du dir nichts davon kaufen wollen?
Kimberly: Ich hätte das lieber gespart, und dann, wenn ich mehr hätte, ungefähr 510 Euro, dann könnte ich noch mehr kaufen. Vielleicht neue Kopfhörer für mein Klavier. Und vielleicht ein neues Haus.
Eray: Mit 500 Euro klappt das nicht. Ein neues Haus kostet um die 50.000 Euro.
Was würdest du mit den 500 Euro machen, Eray?
Eray: Nix. Ich würde sie aufheben und in die Spardose tun. Und dann warten, bis ich mit einem Dosenöffner umgehen darf - ich weiß auch gar nicht, wo der ist - und dann würde ich die Dose aufmachen und das Geld rausholen. Aber erst in 20 Jahren.
Also du glaubst, in 20 Jahren könntest du was mit dem Geld machen, aber jetzt noch nicht.
Eray: Was soll ich denn jetzt mit so viel Geld machen? Kinder brauchen keinen Fünfhunderter.
Wie viel brauchen denn Kinder?
Kimberly: Ungefähr 20 Euro.
Eray: Ungefähr hundert, denn die nehmen ja auch immer wieder was raus.
Also wenn ich euch richtig verstehe, dann habt ihr eigentlich schon alles, was ihr wollt und braucht.
Beide: Ja.
Kennt ihr ein Kind, das ganz viel Geld hat?
Eray: Nein. Aber es gibt Kinder. Die von berühmten Leuten.
Kennt ihr ein Kind, das ganz wenig Geld hat?
Kimberly: Ja, in Amerika, die haben ganz wenig Geld.
Eray: Amerika oder Afrika?
Kimberly: Äh, Afrika.
Warum haben die so wenig Geld?
Eray: Weil es so heiß ist. Da kann man nichts eröffnen.
Kimberly: Ich denke, weil die da kein Geld haben.
Gibt es da keine Geldfabriken, von denen Eray vorhin gesprochen hat?
Kimberly: Nein.
Eray: Da gibt es keine solchen Fabriken. Und jedes Land ist zu faul, um denen Geld zu geben.
Kann man nicht einfach so eine Fabrik dahin bauen?
Eray: Das wäre viel zu heiß, das Geld würde sofort verbrennen.
Und Münzgeld?
Eray: Ja. Aber wenn man hundert Euro haben will, dann braucht man fünfzig zweier oder hundert. Das wäre dann zu schwer. Und wo soll man die aufbewahren?!
Na, bei der Bank!
Eray: Da gibt’s keine Bank! Weil es zu heiß ist.
Warum verbrennen die Leute nicht?
Eray: Weil die Leute Wasser in sich drin haben.
Eray, das Geld, das du auf der Bank hast, auf deinem Konto, ist es da überhaupt sicher?
Eray: Manchmal ja und manchmal nein. Jede Bank macht ja was anderes mit dem Geld.
Die bewahren es also nicht einfach nur da auf?
Eray: Manchmal lassen die, glaube ich, extra was für sich im Safe übrig. Damit die Bank auch was davon hat.
Kimberly: Eigentlich ist das Geld da sicher - außer, wenn einer einbricht.
Hast du nicht Angst, Eray, dass ein Bankräuber dein Geld klaut?
Eray: Wie soll er denn an mein Geld kommen, wenn der nicht weiß, wo der Dosenöffner ist!
Ich meine jetzt dein Konto und nicht Deine Dose.
Eray: Ich weiß doch selbst gar nicht, wo mein Konto ist. Woher soll er es denn dann wissen?
Stimmt wohl. Sagt mal, gibt es eigentlich etwas, was man sich nicht kaufen kann?
Eray: Das Leben.
Kimberly: Oder sein Herz. Und man kann die Welt nicht kaufen.
Was meinst du damit, Kimberly?
Kimberly: Man kann ja nicht die komplette Erde kaufen. Die anderen Leute brauchen ja auch eine Welt zum Leben.
Wie kriegt man denn die Sachen, die man sich nicht kaufen kann? Ihr habt ja ein Leben, und ihr habt ja auch ein Herz. Und die Welt ist auch da.
Eray: Das hat alles was mit den Gesetzen der Physik zu tun.

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