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Tuesday, June 3, 2014

Droht Deflation in der Eurozone?

Die Preissteigerung flacht weiter ab - nun will die Europäische Zentralbank über Maßnahmen gegen eine Deflation vor allem in Südeuropa beraten. 

Die Inflation in der Eurozone ist im Mai auf 0,5 Prozent gesunken. Damit flachte die Preissteigerung auf ohnehin sehr niedrigem Niveau gegenüber April weiter ab. Vor einem Montag hatte sie 0,7 Prozent betragen, wie das EU-Statistikamt Eurostat am Dienstag in Luxemburg unter Berufung auf Schätzungen erklärte.
Verhältnismäßig noch am stärksten zogen die Preise im Mai demnach bei den Dienstleistungen an. Hier lag das Plus gegenüber dem Vorjahresmonat bei 1,1 Prozent. Die Inflationsrate bei Nahrung, alkoholischen Getränken und Tabak erreichte nur 0,1 Prozent.


Bei Industriegütern und Energie wurde gegenüber Mai 2013 gar keine Preissteigerung festgestellt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will am Donnerstag in Frankfurt am Main über Maßnahmen gegen eine Deflation insbesondere in Südeuropa beraten. Beobachter erwarten eine weitere Senkung des ohnehin historisch niedrigen Leitzinses von derzeit 0,25 Prozent. Dadurch könnte mehr Geld in die Wirtschaft gepumpt werden. (AFP)

Jede dritte Lehr frei geblieben

Berliner Unternehmen beklagen Mangel an geeigneten Bewerbern und sind Schulnoten gegenüber zunehmend skeptisch. Es hapert am sprachlichen Vermögen und an "elementaren Rechenfertigkeiten". Aber auch die Betriebe machen Fehler. 

Berlins Unternehmen steuern auf einen massiven Nachwuchsmangel zu. Jeder dritte Betrieb konnte 2013 nicht alle Ausbildungsplätze besetzen. Insbesondere der Mangel an „Ausdrucksvermögen“ und Berufsorientierung wird zum Hemmnis. Dies belegt die diesjährige Aus- und Weiterbildungsumfrage, die am Dienstag von der IHK veröffentlicht wurde. 540 Betriebe beteiligten sich an der Umfrage.
„Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt in Berlin spitzt sich weiter zu“, warnt die IHK. Dies zeigt sich besonders daran, dass sich der Anteil der Ausbildungsbetriebe, bei denen Plätze frei blieben, seit 2008 auf 34 Prozent fast verdoppelt hat. Bei 14 Prozent der Betriebe hat das dazu geführt, dass sie 2014 weniger ausbilden wollen als im Vorjahr.

Für jedes vierte Unternehmen waren wirtschaftliche Gründe entscheidend dafür, keinen Platz zur Verfügung zu stellen. Insgesamt verzeichnete die Agentur für Arbeit im Mai noch knapp 9000 unversorgte Bewerber bei rund 7000 freien Ausbildungsplätzen.


Auch Leistungsbereitschaft, Motivation und Belastbarkeit werden vermisst

Von den befragten Unternehmen, die 2013 einen Ausbildungsplatz nicht besetzen konnten, gaben vier Fünftel den Mangel an geeigneten Bewerbern als Grund an. Das sind fast doppelt so viele wie noch 2008. Im Mittelpunkt steht die Kritik an fehlender Ausbildungsreife. Hier stellt die IHK einen „Rekordwert“ von ebenfalls 80 Prozent fest. Ein besonders großes Problem besteht darin, dass viele Schulabgänger – mit und ohne Migrationshintergrund – mit der deutschen Sprache nicht zurechtkommen: Mängel beim „mündlichen und schriftlichen Ausdrucksvermögen“ beanstanden über die Hälfte der Betriebe, dicht gefolgt von fehlender Leistungsbereitschaft und Motivation sowie Belastbarkeit.

„Viele Unternehmen beherrschen die neuen Kanäle der Kommunikation nicht“

„Es gibt Unternehmen, die haben resigniert“, hat Dieter Mießen, Prokurist, kaufmännischer Leiter und Ausbildungsleiter der Berliner Frisch & Faust Tiefbau GmbH festgestellt. Andere seien hingegen bereit „Abstriche zu machen“ und die Mängel im Nachhinein durch Nachhilfe abzubauen. Auf diese Weise hat es Frisch & Faust auch 2013 geschafft, alle zehn Ausbildungsplätze zu besetzen. Die Firma fährt vielgleisig. Wichtig ist intensive Akquise, sagt Mießen, der pro Jahr rund 40 Akquisetermine bewältigt. Da werden Werbespots bei Radiosendern geschaltet, die vor allem von Jugendlichen gehört werden, da wird Facebook bemüht, auf Jugendmessen geworben und die „Lange Nacht der Ausbildung“ besucht. „Viele Unternehmen beherrschen die neuen Kanäle der Kommunikation nicht“, nennt Mießen einen der Gründe für die mangelnde Bewerberzahl. Sein Betrieb hingegen hat es geschafft, kontinuierlich für Nachwuchs zu sorgen: „Unsere Mitarbeiter sind im Schnitt zehn Jahre jünger als im Branchendurchschnitt“, sagt Mießen.

 Dabei gehören die Ausbildungsberufe, die der Tiefbaubetrieb zu bieten hat – Kanalbauer, Rohrleitungsbauer und Straßenbauer – nicht gerade zu den Traumberufen der Jugendlichen. Darum muss besonders intensiv geworben werden, wozu auch gehört, dass Mießen mit mehreren Schulen kooperiert und Schüler beispielsweise zu „Baustellentagen“ einlädt, wo Azubis den Schülern ihre Arbeit erläutern. Außerdem gehört Frisch & Faust zu jenen Betrieben, die auch mit Förderschulen zusammenarbeiten. Die Arbeitsagentur steuert „ausbildungsbegleitende Hilfen“ bei, um den Schülern etwa Grundkenntnisse im Rechnen zu vermitteln.


Eine "Drei" in Mathe sagt da erstmal gar nichts

Grundkenntnisse fehlen allerdings nicht nur den Förderschülern. „Manche Schüler machen schon dicke Backen, wenn sie nur 12 mal 12 im Kopf ausrechnen sollen“, hat Mießen festgestellt. Ohne Taschenrechner läuft da nichts. Andere wissen nicht, was ein Quader ist oder wie man einen Rauminhalt berechnet – auch wenn sie eine „Drei“ in Mathe haben. Darum sind inzwischen über 40 Prozent der Betriebe dazu übergegangen, mit eigenen Kompetenztests die Zuverlässigkeit der Schulnoten abzuklopfen. Wie berichtet, scheitern Berlins Schüler häufig an Mathematik. Zuletzt wurde dies deutlich bei den Ergebnissen der Prüfungen zur Berufsbildungsreife. Fast 45 Prozent der Betriebe vermissen bei ihren Azubis denn auch „elementare Rechenfertigkeiten“.
Die Zahl der Auszubildenden ist aktuell in ganz Deutschland auf einen Tiefstwert von 1,4 Millionen gesunken, wie die Auswertung des Statistischen Bundesamts zeigt. Besonders stark fällt der Rückgang in Berlin und Brandenburg aus – hier ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um fast ein Zehntel zurückgegangen.

Alex öffnete die Filiale im Juli

Der Textildiscounter Primark eröffnet Anfang Juli am Alexanderplatz sein zweites Berliner Kaufhaus. Am Standort sollen 704 Arbeitsplätze entstehen. 

Der aus Irland stammende Textildiscounter Primark eröffnet am 3. Juli sein zweites Kaufhaus in der Stadt - am Alexanderplatz. Das teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Die 5000 Quadratmeter große Filiale wird wie die Dependance in Steglitz Mode und Schuhe für Frauen, Männer und Kinder bieten. Zudem sollen in dem Kaufhaus auch Accessoires und Dekoratives für zu Hause zu haben sein. An dem neuen Standort in Mitte sollen 704 neue Arbeitsplätze entstehen, behauptet das Unternehmen.

"Ich bin mir sicher, dass Primark auch am Alexanderplatz zu einem Zentrum mit starker Anziehungskraft wird", sagt Breege O’Donoghue, Vorstandsmitglied von Primark. Das Unternehmen führt nach eigenen Angaben 276 Kaufhäuser in Europa, 13 davon in Deutschland.

Friday, May 30, 2014

Wie die Rechnung für den hohen Preis der Innovation zahlen

Viele neue Medikamente haben keinen Nutzen, kosten die Krankenkassen aber bis zu vier Milliarden Euro - zeigt der Arzneimittelreport der Barmer GEK. 

Für neuartige Medikamente ohne echten Zusatznutzen gibt die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) Jahr für Jahr Milliardensummen aus. 20 bis 30 Prozent aller Krankenkassenausgaben entfielen auf so genannte Scheininnovationen, sagte der Vizechef der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker, bei der Präsentation des Arzneimittelreports seiner Kasse am Dienstag in Berlin. Diese Medikamente seien „überflüssig und teuer“, dabei hätten sie für Patienten, die auf bessere Behandlung hofften, „keinen erkennbaren Mehrwert“. Und wenn man ihnen stattdessen gleichwertige Nachahmerpräparate verordne, ließen sich im Jahr drei bis vier Milliarden Euro sparen.

Pro Packung kosteten Scheininnovationen im Schnitt fast 126 Euro, rechnete der Bremer Pharmaexperte und Mitverfasser der Studie, Gerd Glaeske, vor. Bei Nachahmerpräparaten, die man genauso gut und „ohne Qualitätsverlust“ einsetzen könne, komme man gerade mal auf 26 Euro. Allein bei der Barmer GEK machten die „in jeder Beziehung unnötigen Arzneimittel“ 3,5 Millionen Packungen aus.

Kosten und Nutzen werden nicht untersucht, klagt die Barmer GEK

Helfen könnte gegen diese Mittelverschwendung eine konsequente Kosten-Nutzen-Bewertung aller auf dem Markt befindlichen Medikamente. Doch die schwarz-rote Koalition hat von diesem Vorhaben aufgrund der Proteste aus der Pharmaindustrie und des befürchteten Aufwands wieder Abstand genommen. Getestet und entsprechend preisreguliert werden auch künftig nur die nach dem Jahr 2009 eingeführten Präparate. Ein Fehler, wie Glaeske meint. Und zwar nicht nur, weil sich durch die Einbeziehung des Bestandsmarktes bei den Arzneiausgaben zehnmal so viel sparen lasse wie bisher. Der Rückzieher gehe auch auf Kosten der Arzneimittelsicherheit.
Als Beispiel nannte Glaeske die Risiken durch neue, aber bereits im Markt befindliche Medikamente zur Blutverdünnung, die dringend einer Schaden-Nutzen-Bewertung bedürften. Anders als bei bewährten Produkten wie Marcumar fehlten bei diesen Antikoagulanzien wie etwa dem Bayer-Medikament Xarelto nämlich Gegenmittel zur Stillung unerwünschter Blutungen. Für die Patienten könne das tödlich enden, sagte Glaeske und appellierte an die Ärzte, diese Mittel „nur gezielt und nicht in der Breite“ zu verordnen. Tatsächlich liegt der Verordnungsanteil für Xarelto in Deutschland bereits bei 18 Prozent, der Umsatz damit stieg binnen eines Jahres von 92,7 auf 282,2 Millionen Euro Und weil die neuen Produkte deutlich teurer sind, entfielen im vergangenen Jahr auf sie schon knapp 87 Prozent der Ausgaben für Blutverdünner.


Google entwickelt ein Auto ohne Fahrer

Google und Intel arbeiten fieberhaft an selbstfahrenden Modellen – und überholen damit womöglich renommierte Hersteller. 

Die renommierten Autohersteller dürften in Zukunft heftige Konkurrenz von der Hightech-Industrie bekommen. Sowohl der Chiphersteller Intel als auch der Suchmaschinenkonzern Google arbeiten an Lösungen, die autonom fahrende Fahrzeuge ermöglichen sollen. Die Autokonzerne beschäftigen sich zwar auch mit dem Thema – Daimler etwa will aber nicht vor 2020 mit einem fahrerlosen Auto auf den Markt kommen.

Eine neue Plattform soll Information und Unterhaltung verschmelzen

Intel hat eine Plattform entwickelt, bei der Information und Unterhaltung verschmelzen sollen.

Die Technik namens „Kendrick Peak“ (ein Berg in Arizona) wurde am Donnerstag vorgestellt und stammt aus dem Intel-Zentrum Karlsruhe, einem von weltweit drei Intel-Laboren für digitale Lösungen im Auto. Kern des Systems ist ein Computer, der auf mehreren Bildschirmen unterschiedliche Inhalte darstellen kann – Navi-Informationen für den Fahrer, Internet für den Beifahrer, Videos für weitere Insassen.

Die Autos sollen miteinander kommunizieren

Intel erwartet, dass die digitale Technik fürs Auto bald ähnlich schnell voranschreitet wie beim Smartphone mit Systemwechseln alle ein bis zwei Jahre. Kendrick Peak ist Teil einer langfristigen Strategie von Intel, die das Fahren ohne eigenes Steuern anstrebt. „Ziel ist, dass sich Autos miteinander unterhalten, damit sie einen optimalen Abstand halten und Staus vermieden werden“, sagte Intel-Sprecher Thomas Kaminski. Erste Fahrzeuge mit dem System könnten noch in diesem Jahr auf den Markt kommen.

Google arbeitet an Zweisitzern mit Elektroantrieb

Der Internet-Konzern Google arbeitet intensiv an eigenen selbstfahrenden Autos. Die Vision sind kleine Zweisitzer mit Elektro-Antrieb und ohne Lenkrad, Brems- und Gaspedal. Zunächst sollen rund 100 Testfahrzeuge gebaut und in Kalifornien getestet werden, kündigte der Konzern in einem Blogeintrag an. Die Arbeit an einer marktreifen Version werde noch einige Jahre dauern, schrieb Projektleiter Chris Urmson. Der aktuelle Prototyp erinnert an eine Mischung aus Smart und Spielzeugauto.

Die Autos sind auf präzise Karten der Umgebung angewiesen

Eine zentrale Einschränkung ist, dass die Autos auf extrem präzise Karten der Gegend angewiesen sind, wie Urmson einräumte. Bisher erfasste der Konzern in dieser Detailtiefe erst seine Heimatstadt Mountain View. Im Januar hatte eine Panne beim Google-Kartendienst für Aufsehen gesorgt, der den Theodor-Heuss-Platz eine Zeit lang in Adolf-Hitler-Platz umbenannt hatte.
Google arbeitet seit Jahren an der Technologie für selbstfahrende Autos. Die Systeme wurden bisher in Fahrzeuge etablierter Hersteller wie Toyota eingebaut. Allerdings fehlt Google auf diesem Feld die Expertise. Gleichwohl rekrutierte der Konzern eine Reihe von Partnern aus der Autobranche, wie Urmson sagte. Laut „New York Times“ werden die Fahrzeuge nahe der US-Stadt Detroit zusammengebaut, den Hersteller nennt Google nicht.

Das Google-Auto schafft eine Spitzengeschwindigkeit von 40 Stundenkilometer

Dem „New York Times“-Reporter John Markoff zufolge, der vergangene Woche in einem Prototypen mitfuhr, bietet das Google-Auto viel Beinfreiheit. Ein Display zeigt unter anderem die voraussichtliche Ankunftszeit. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf rund 40 Kilometer pro Stunde begrenzt, die Batterie soll für 160 Kilometer reichen. Die Windschutzscheibe ist aus Plastik und die gedämpfte Frontpartie soll Fußgänger oder Radfahrer bei einem Aufprall besser schützen. Ein Problem gibt es allerdings noch: Autonom fahrende Autos sind in Deutschland gar nicht erlaubt. Dazu müssten erst Gesetze geändert werden. mit dpa



Ohne ein Ticket mit BVG und S-Bahn

Bundesverkehrsminister Dobrindt und die BVG wollen die Strafen für Schwarzfahrer erhöhen. Die sind den Verkehrsbetrieben aber oft einen Schritt voraus. Per App oder Facebookgruppen warnen sie sich vor Kontrollen. Andere bieten gleich Mitfahrgelegenheit auf ihrer Umweltkarte an. 

Die Treppen hoch und gerade noch in die letzte Bahn rein, mit der man pünktlich zur Arbeit kommt – bei so viel Eile wird der Ticketkauf schon mal vergessen oder ignoriert. Manch einer macht das vielleicht auch vorsätzlich – oder hat einfach nicht genug Geld für den Fahrschein. Schwarzfahrer sind sie alle, und für die soll es teurer werden: Wie berichtet, will Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eine Anhebung des „erhöhten Beförderungsentgeldes“ von 40 auf 60 Euro durchsetzen.
Gut 500 000 Menschen sind im Vorjahr bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) und der S-Bahn kontrolliert worden und hatten kein Ticket. Manche zeigen mittlerweile einigen Erfindungsgeist, damit sie nicht erwischt werden.
Es gibt Apps und Facebookgruppen, auf denen die Nutzer die Linie und Fahrtrichtung der Bahn, in der sie Kontrolleure ausgemacht haben, eingeben. Dann werden alle anderen Nutzer gewarnt und machen sich aus dem Staub – so zumindest die Theorie. In der Praxis hat weder „Schaffnerradar“ noch „Berlinkontrolle“ bisher genug Nutzer, um verlässlich vor den 120 bis 140 Kontrolleuren der BVG und den ungefähr 70 der S-Bahn zu warnen.
Im vergangenen Jahr hatte die BVG fast eine Milliarde Menschen befördert, von denen drei bis vier Prozent ohne gültiges Ticket unterwegs waren, schätzt Petra Reetz, Sprecherin des Unternehmens. Sie beziffert daher den jährlichen Schaden für das Unternehmen auf 20 Millionen Euro. Eine steigende Tendenz gebe es zwar nicht, aber 20 Millionen seien eine Menge Geld. „Dafür könnten wir 50 neue Busse kaufen“, sagt Reetz. Deshalb begrüßt die BVG den Vorstoß des Bundesverkehrsministers.

Judith Demba vom Verein Naturfreunde Berlin hat noch eine andere Idee fürs Fahren ohne Ticket. Durch Anhebung des erhöhten Beförderungsentgeldes würden Menschen mit wenig Geld weiter kriminalisiert, meint sie. Sie kritisiert, dass in der JVA Plötzensee schon jetzt rund 150 Menschen inhaftiert seien, weil sie das erhöhte Beförderungsentgelt nicht gezahlt haben.
Aber die 56-Jährige glaubt ein Gegenmittel gefunden zu haben. Mit den Berliner Naturfreunden hat sie die Kampagne „Ticket teilen“ gegründet. Besitzer der Umweltkarte des VBB können mit ihrem Ticket zu bestimmten Tageszeiten andere Personen mitnehmen. Per Button auf der Kleidung können die Inhaber solcher Tickets dieses Mitfahrgelegenheit gut sichtbar für Bedürftige wie Flüchtlinge oder Hartz-IV-Empfänger erkennbar machen und anbieten. 15 000 Buttons hat der Verein schon verteilt.
Mit diesem Modell hat auch Petra Reetz von der BVG eigentlich kein Problem: „Ein Vertrag hat immer zwei Seiten. Die Kunden können natürlich die Vorteile ihrer Tickets nutzen, wie sie wollen.“



BND will auf Facebook und Unternehmen auszuspionieren

Der Bundesnachrichtendienst will die sozialen Netzwerke laut Medienberichten verstärkt ins Visier nehmen. Die Nutzer von Facebook, Twitter und Co. sollen in Echtzeit gezielt überwacht werden. 

Der Bundesnachrichtendienst (BND) nimmt verstärkt die sozialen Netzwerke ins Visier. Nach Informationen von „Süddeutscher Zeitung“, NDR und WDR will der deutsche Auslandsgeheimdienst Twitter, Facebook und Co künftig in Echtzeit ausforschen können. Die Pläne gingen aus mehreren vertraulichen Unterlagen des BND hervor, berichteten die Medien am Freitagabend.
Bei den Überwachungsprogrammen orientiert sich der BND den Informationen zufolge ausdrücklich an den technischen Möglichkeiten des umstrittenen US-Geheimdienstes NSA und des britischen GCHQ. Das Projekt läuft demnach intern unter dem Titel „Echtzeitanalyse von Streaming-Daten“.

Bereits in diesem Jahr wolle der Auslandsgeheimdienst seine Technik so verbessern, dass Weblogs, Foren und Portale wie Flickr, Facebook und Twitter systematisch ausgewertet werden könnten, heißt es in der „Süddeutschen Zeitung“. Damit solle es etwa möglich sein, Stimmungen in der Bevölkerung anderer Staaten sofort in BND-Lagebilder einfließen zu lassen.
Der Bundesnachrichtendienst wollte die Medien-Berichte nicht kommentieren. „Wir äußern uns zu Fragen unserer operativen Tätigkeit ausschließlich gegenüber der Bundesregierung und den zuständigen geheim tagenden Gremien des Bundestags“, sagte ein Sprecher am Freitagabend der dpa.
Das Projekt ist den Berichten zufolge Teil einer sogenannten Strategischen Initiative Technik (SIT). Die Kosten des Programms, das vorerst bis 2020 laufen solle, würden vom BND insgesamt auf rund 300 Millionen Euro beziffert. Der Bundestag solle die Summe in den kommenden Wochen bewilligen.
Der deutsche Auslandsgeheimdienst verwies laut „Süddeutscher Zeitung“ im Gespräch mit Parlamentariern darauf, dass befreundete Nachrichtendienste aus dem Ausland methodisch viel weiter seien als der BND. Wenn nicht bald digital aufgerüstet werde, drohe der Bundesnachrichtendienst noch hinter den italienischen und den spanischen Geheimdienst zurückzufallen. (dpa)